4.4 Unterwegs mit Capoeira

logo_ig1Talent: Mensch sein unterwegs beim Capoeira Verein Irmãos Guerreiros

www.capoeiraangola.at.tc

Am 14.3.09, in der Kooperativen Mittelschule, Grundsteingasse 48 Unterwegs: Michi, Valerie, Zita, Angie und Johannes
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Capoeira Angola:

Die Herkunft ist egal, nur das Spiel miteinander zählt!

Diesen Termin hatte ich schon lange im Voraus geplant, hatte mich im Vorfeld schon mit Kenneth, dem Lehrer und Leiter des Vereins getroffen und unser Kommen besprochen. Denn in den geschützten Bereich einer solchen Gruppe hineinzukommen, noch dazu mit Kameras und Aufnahmegeräten, ist eine sensible Sache.

So war ich gespannt, wie uns die Gruppe aufnehmen würde und ob wir unsererseits es schaffen würden, uns einzufinden und zu guten Gesprächen mit den TeilnehmerInnen zu kommen.

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tmscapo-13-aufwarmtraining-kennethsohn1.

Wir hatten ca. zweieinhalb Stunden insgesamt Zeit mit der Gruppe. Zunächst durften wir ein bisschen beim Aufwärmen und Training zusehen (Bild oben).

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<– Kenneth trainiert mit seinem Sohn (Training- und Aufwärmphase)tmscapo-14-aufwarmtraining

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Akrobatiktraining (Training- und Aufwärmphase, Bild unten)

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Zita und Johannes haben sich dabei nach Kräften verrenkt, um die Artistik der Capoeirista fotografisch festzuhalten. Beieindruckt waren wir von der Kommunikation durch Bewegungen, die zwischen den Capoeiristas stattfand, die jeweils zu zweit gespielt haben.

tmscapo-11-kenneth-mit-dem-birimbaoDanach durften wir beim Singen zuhören, das von


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<–
Kenneths
Birimbao
Spiel

begleitet wurde.

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Schließlich fand noch die Roda statt, bei der die Gruppe im Kreis sitzt
… die Hälfte der Gruppe für die Musik verantwortlich ist tmscapo-2-bandteil-der-roda

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… und jeweils zwei in der Mitte spielen.tmscapo-roda

tmscapo-3-kenneth-bei-der-rodaKenneth bei der Roda (Bild oben).
Partnerfoto (Bild unten)

tmscapo-2-2-partnerfotoAm Schluss war noch ungefähr eine Stunde Zeit für ein Gespräch in der Gruppe und Fotos und kurze Gespräche jeweils zu zweit.

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Bei diesen Gesprächen konnten wir über die familiäre Stimmung und den Zusammenhalt in der Gruppe sprechen, die wir während des Trainings wahrgenommen hatten.

Kenneth erzählte, dass für ihn Capoeira nicht nur Sport ist, sondern auch die Ausübung seiner Religion sowie Ausdruck seiner Kultur, die er dadurch auch mit anderen teilen kann.
„Capoeira ist Kommunikation, Bewegung ist Sprache und drückt den Respekt für das Gegenüber aus, mit dem man spielt.“

Die Farben des Vereins haben dementsprechend auch eine Symbolik: braun für die Verbundenheit mit der Erde und weiß als Zeichen des Friedens. Capoeira ist für Kenneth Übung zur Toleranz. Das Benehmen und die Regeln, die es beim Capoeira gibt, werden nach einer Zeit auch nach außen ins Leben getragen. Ihm ist es bei seinem Capoeira Verein sehr wichtig ein Familiengefühl des Miteinanders zu vermitteln, was ihm auch gelingt.
Maria: „Der Capoeira Verein von Kenneth ist für mich wie eine Familie.“

Kenneth hat Capoeira mit elf Jahren begonnen, vorher war es finanziell nicht möglich. Ein befreundeter Schauspieler unterstützte ihn finanziell dabei, Unterricht bei einem guten Lehrer zu nehmen. Dieser Lehrer hat ihm nicht nur Capoeira beigebracht, sondern auch wie man es ins Leben außerhalb des Trainings mitnimmt. In Brasilien hat er dann auch Projekte mit Straßenkindern gemacht, bei denen er Capoeira Angola unterrichtete. Dieses Thema hat der Verein hier in Wien behalten – jedes Jahr gibt es ein Soli-Fest zur Unterstützung von Straßenkindern in Brasilien.

Dieses Jahr wird es am 16.Mai im TÜWI stattfinden. Talent: Mensch sein freut sich, dabei zu sein und dankt für die Einladung!

Für Kenneth ist das Leben in Wien nach sechs Jahren zu einem Teil von ihm geworden: “Man gewöhnt sich daran. Aber die Sehnsucht nach Brasilien ist immer da.“ Capoeira hilft ihm dabei, mit dieser Zweigeteiltheit umzugehen. „Ich bringe mein Leben ins Capoeira, meine Gefühle und Stimmungen. Auch beim Capoeira muss man kämpfen und sich manchmal winden und durchschlagen, wie im richtigen Leben.“

Kenneth mit Pirmin und Kenneth Junior:

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Mittlerweile ist Kenneth hier verheiratet und hat auch seine beiden Kinder aus Brasilien hergeholt. Darüber ist er froh, denn hier geht es ihnen besser.
Julia, 12, fehlen zwar die sozialen Kontakte, die sie aus der Großfamilie in Brasilien gewöhnt ist, grundsätzlich aber geht’s ihr gut, sie spricht nach nur eineinhalb Jahren in Wien sehr gut Deutsch und, wie Elisa über sie sagt:„Julia schupft alles, organisiert alles, macht alles – ist sehr selbstständig.“ Julia sagt selbst über Wien: „ Den vielen Regen bin ich auch aus Brasilien gewöhnt, nur dort ist es nicht so kalt!“.tmscapo-4-2-kenneth-junior-mit-seinem-hund-amy1

<– Kenneth Junior, 10, der kleine Bruder ist sehr schüchtern, will nicht mit uns reden, lächelt uns aber freundlich zu und sitzt am liebsten bei seinem Vater oder seinem Hund Amy, der übrigens auch die Vereinsfarben trägt.

Die anderen im Kreis sind aus unterschiedlichen Ländern, wie etwa der Schweiz oder der Slowakei, oder in den USA geboren, mit Elternteilen vom Balkan oder aus Mexiko, usw. Auch sind sie seit unterschiedlich langer Zeit dabei. Die, die erst seit kurzem dabei sind, fühlen sich aber seit Beginn vollkommen angenommen und als Teil der Gruppe. Mehrmals wird angemerkt, dass die Capoeiristas auch global eine Familie seien. Bei den unterschiedlichen workshops träfe man Leute aus allen möglichen Ländern und die Verbindung zueinander und die Kommunikation miteinander ist von Anfang an da, über das Capoeira.

Einige VereinsmitgliederInnen waren auch schon in Brasilien und ihnen fällt ein klarer Unterschied zwischen Capoeira in Brasilien und Deutschland auf. Petra: „In Brasilien machen die Leute das einfach“, „hier ist das immer ein Problem mit den Räumlichkeiten und der finanziellen Mitteln“, ergänzt Kenneth. Einige der VereinsmitgliederInnen sprechen auch selbst portugiesisch, eine meint: „wenn man sich näher mit dem Sport beschäftigt, möchte man irgendwann wissen, was man singt und wie die Philosophie ist. Da ist ein Besuch im Ursprungsland einfach wichtig“.

Erfahrungen mit Ausländerfeindlichkeit haben sie alle gemacht. Elisa etwa fällt auf, dass sie anders angesehen wird, wenn sie mit Kenneth in den Öffis unterwegs ist und er auch immer als erstes von Kontrolleuren nach seinem Fahrschein gefragt wird: „ Kenneth muss überkorrekt sein, weil wegen seiner Hautfarbe immer schon ein Anfangsverdacht da ist.“

Eine österreichische Teilnehmerin meint, ihr seien die Vorurteile, die es gegenüber MigrantInnen in Wien gebe, erst aufgefallen, als eine ihrer Freundinnen mit Migrationshintergund ihr von ihren Problemen erzählt hat: „ Davor war ich von diesem Problem ganz unberührt, habe gar nicht realisiert, dass es in solchem Ausmaß da ist.“

tmscapo-3-2-kenneth-junior-mit-elisa<– Maria mit Kenneth Junior

Elisa über Capoeira Angola: „In der stressigen Zeit vor der Matura hat mir Capoeira eine Familie gegeben und den Ausgleich, den ich so dringend gebraucht habe.

Um die Lieder, die wir singen, zu verstehen, habe ich dann angefangen, Portugiesisch zu lernen.“

tmscapo-6-katharina-und-julia

Katharina (unten links im Partnerfoto mit Kenneths Tochter Julia) über Kenneth:

„ Kenneths Qualität als Lehrer zeichnet aus, dass er jede/n so nimmt, wie er/sie ist.

Für jede/n ist Platz bei uns. Ich kenne niemanden, bei dem diese Akzeptanz und das Auf-den-Partner-Eingehen in solchem Maß vorhanden ist, wie bei Kenneth.“

Michi sagt zu den Gesprächen, die die Fotos zu zweit begleiten: „Die Stimmung bei den Fotos war sehr sympathisch und voller Energie. Voller Energie deshalb, weil auch viele Capoeira Szenen vor der Kamera gezeigt wurden. Bei meinen Gesprächen erfuhr ich, dass die verschiedenen Menschen außerhalb des Sportes wenig miteinander zu tun haben, sie der Sport aber wöchentlich in familiärer Atmosphäre vereint. Außerdem merken alle, die ich darauf angesprochen habe, an, dass Treffen außerhalb des Vereins eigentlich keine schlechte Idee wären.“

Nach zweieinhalb intensiven Stunden mit der Gruppe verabschieden wir uns schließlich und ich bin erleichtert: das Öffnen füreinander hat geklappt und wir haben tolle Gespräche gehabt!
Außerdem haben wir die Vernetzung unserer beiden Vereine beschlossen, einerseits durch die gegenseitige Unterstützung bei den Solifesten. Andererseits durch den Austausch von know how. Und: die Irmãos Guerreiros werden beim Interkulturellen Picknick von Talent: Mensch sein mit ihrer Capoeira Kunst dabei sein .
(Termin in Kürze auf der Talent: Mensch sein hompage)!
Im Sinne des gegenseitigen Unterstützens hier noch der Aufruf an alle BesucherInnen unserer homepage: die Irmãos Guerreiros suchen dringend einen Raum, den sie für ihr Training dauerhaft nützen können (bisher trainieren sie in Turnsälen von verschiedenen Wiener Volksschulen)! Wer eine Idee, connections, etc. hat, bitte ein email an: capoeiraangola@gmx.net

Und noch ein weiterer Terminhinweis: am 20.11. ist der „Tag des schwarzen Bewusstseins“, Talent: Mensch sein wird dabei sein!

Wir danken dem Verein Irmãos Guerreiros für einen tollen Nachmittag! Wir haben uns alle sehr wohl gefühlt und freuen uns auf den weiteren Kontakt und die Zusammenarbeit!

Für mich hat sich die Gemeinsamkeit unserer beiden Vereine darin gezeigt, dass sich beide mit der Öffnung von Menschen füreinander und dem daraus entstehenden Dialog beschäftigen. Das respektvolle miteinander Umgehen ist unser Ziel und Nachmittage wie dieser zeigen, dass es sich lohnt, dafür zu arbeiten!

Angelika Gänssle

Noch einige Impressionen …

Roda:

tmscapo-10-roda1Roda Akrobatik:

tmscapo-9-roda-akrobatik1Und noch 2 Partnerfotos:

tmscapo-8-partnerfoto1tmscapo-5-partnerfoto1

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